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In den sechs Jahren seit seiner Gründung haben sich laut eigenen Angaben weltweit mehr als 400 Millionen Mitglieder beim Online-Netzwerk Facebook registriert. Alleine im vergangenen Jahr konnte die Zahl um mehr als 200 Millionen gesteigert werden. Zum Vergleich: Das Medium Radio hat 38 Jahre benötigt, um 50 Millionen Teilnehmer zu erreichen, das Fernsehen immerhin 13. Wäre Facebook eine Nation, würde es gemessen an der Bevölkerungsgröße die drittgrößte der Welt darstellen. Eine schier unaufhaltsame Erfolgsgeschichte scheint ihren Lauf zu nehmen. Wären da nicht die kritischen Stimmen, die in den vergangenen Wochen und Monaten immer zahlreicher geworden sind.
Datenschutz und Privatsphäre
Das Thema Datenschutz spielt in Deutschland seit jeher eine bedeutende Rolle, wie nicht zuletzt der rasante Mitgliederzuwachs der Piratenpartei beweist. Viele Bürger fragen sich, was eigentlich mit den Daten passiert, die sie online bei Facebook oder den VZ-Netzwerken einstellen. Laut den Nutzungsbedingungen bei Facebook bleiben Inhalte wie Fotos zwar im Besitz der Nutzer, Facebook erhält jedoch das Recht, alle Inhalte kommerziell zu nutzen und die Nutzungsrechte an Dritte weiterzugeben. Die Einstellungen zur Privatsphäre sind derart kompliziert und unübersichtlich, dass nur die wenigsten Nutzer tatsächlich überblicken können, welche ihrer Einstellungen privat bleiben und welche öffentlich für jedermann zugänglich sind. Nicht umsonst wird Facebook-Gründer Mark Zuckerberg häufig mit der Aussage zitiert, dass er Privatsphäre für überholt hält. Ein Relikt der Vergangenheit quasi.
Als das Netzwerk im Frühjahr über eine weitere Lockerung der Datenschutzbestimmungen nachgedacht hat, provozierte es sogar einen offenen Brief von Verbraucherschutzministerin Aigner. Eine Studie der Stiftung Warentest hat Facebook im Umgang mit Benutzerdaten und bei den Nutzerrechten jeweils die Note "mangelhaft" verliehen. Doch anstatt die Mängel zu beheben, geht Mark Zuckerberg in die Offensive. Im April hat Facebook den so genannten "Gefällt mir"-Button eingeführt, der mittlerweile auf zahllosen externen Websites und Blogs integriert worden ist. Registrierte Nutzer können mit einem Klick auf den Button ihre Sympathie für einen Artikel, einen Blogeintrag oder einen Film in der Online-Datenbank Imdb ausdrücken. Wenn einem Nutzer eine Seite gefällt, wird dies auf seiner Pinnwand gepostet und es wird angezeigt, wie viele Mitglieder den Artikel ebenfalls favorisiert haben. Facebook erfährt auf diese Weise nicht bloß, welche Webseiten der User besucht hat, sondern auch, welche Vorlieben er pflegt. Interessiert er sich für Bücher, für Elektrowaren oder Sportartikel? Eine Art gläserner Online-Bürger entsteht. Datenschützer warnen vor dieser Entwicklung und mahnen zur Vorsicht beim Umgang mit dem sozialen Netzwerk.
Konkurrenz in den Startlöchern
In der vergangenen Woche geisterte die Nachricht von vier New Yorker Studenten durch die Online-Welt, die sich vorgenommen haben, ein neues, besseres und vor allem offeneres Facebook zu entwickeln. Das Projekt trägt den Namen "Diaspora" und konnte über die Spendenplattform Kickstarter bereits mehr als 120.000 Dollar einsammeln. Im Unterschied zum großen Konkurrenten soll die Privatsphäre komplett den Nutzern überlassen werden. Sollte sich Diaspora schnell entwickeln und technisch einwandfrei laufen, sehen die Erfolgsaussichten des idealistischen Projektes laut Expertenmeinungen gar nicht einmal so schlecht aus. Eine aktuelle Umfrage des IT-Sicherheitsanbieters Sophos hat herausgefunden, dass bis zu 60 Prozent der Facebook-Nutzer eine Löschung ihres Kontos in Betracht ziehen. Hauptgrund ist die Unzufriedenheit über die fehlende Kontrolle der persönlichen Daten und die komplizierte Konfiguration der Einstellungen zur Privatsphäre.
Bislang ist von einer solch drohenden Krise jedoch nichts zu spüren. In Deutschland wachsen die Nutzerzahlen stetig. Facebook steht kurz davor, die Grenze von 10 Millionen Nutzern zu überschreiten und den VZ-Netzwerken Konkurrenz zu machen.
